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Abb.23 Opfer am Liebesaltar (Trankopfer), ca. 1730/40

 

 

Abb.25 Unfall auf der Wippe (Dank an Anna Checcholi für die Erlaubnis der Abbildung)

 

 

Abb.27 Werbefächer für Fiumaner Reisstärke, um 1900, Österreich-Ungarn

Eros et Amor: Liebes-Symbolik auf Fächern (5)

6. Andere Liebessymbole
Fächer, so wie Gemälde aus früheren Jahrhunderten, zeigen oft Attribute, die aus heutiger Sicht nicht sofort mit Liebe in Verbindung gebracht werden.
Der Liebesaltar: Der Liebesaltar geht auf die Antike zurück und wird oft in antikisierendem Kontext dargestellt. Mädchen und Frauen (manchmal auch Männer) opfern den Liebesgöttern: Eros, Aphrodite or Hymen, dem Gott der Ehe. Auf dem Altar brennt meistens ein Feuer (wie bei den Fackeln, ein Symbol für "brennende Liebe") oder eine Statue der Liebesgötter steht darauf. Eine Variante ist das "Trankopfer", bei dem eine weibliche Figur in antikem Gewand einen Krug Wasser auf den Altar leert (siehe Abb. 23). Es war ein beliebtes Thema zur Zeit des Klassizismus und Biedermeier (siehe:Kunstlexikon P.W.Hartmann).
Fackeln: Fackeln haben unterschiedliche Bedeutung, sind aber meist im Kontext mit Freundschaft und Liebe dargestellt (gekreuzte, brennende Fackeln). Amor halt eine Fackel im gefolge Apollos oder Eos/Aurora (letztere Göttin der Morgenröte, verscheucht damit die Nacht). Ceres/Demeter geht mit Hilfe einer Fackel auf die Suche nach ihrer Tochter Proserpina. Eine gelöschte Fackel ist ein Todessymbol, oder auch das Symbol erloschener Liebe.
Liebes- oder Freundschaftssockel: Man sieht diese Steinstücke, die manche Autoren als "archtitektonische Versatzstücke" bezeichnen, in wilden Gärten nach dem Geschmack des Rokoko. Ihr Ursprung liegt wahrscheinlich in den Liebesaltären. Man darf sie nicht mit zerbrochenen Säulen verwechseln, die ein Trauersymbol sind.
Blumen, vor allem Rosen: Das klassische Liebessymbol. Die Rose war der Liebesgöttin Aphrodite/Venus heilig. In christlicher Ikonographie symbolisiert sie de Jungfrau Maria. Blumengeflechte ("Jungfernkränze") symbolisieren die Braut und sind oft auf Hochzeitsfächern zu finden (siehe Abb. 24).
Haus oder Turm auf einer Insel: Man findet dieses Motif oft auf Fächerrückseiten, es ist ein Ehesymbol.

7. Explizite Darstellungen
Direkt erotische Abbildungen auf Fächern, wie sie zum Beispiel der Ferne Osten kennt, wurden angeblich auf den sogenannten "Double Entente" Fächern dargestellt, in der Fächerliteratur werden sie jedoch nicht belegt. Zum Zeitpunkt dieses Artikels (2005/2006) erschienen jedoch zwei interessante Beispiele europäischer Erotik-Darstellungen in Sammlerkreisen: ein spanischer "Stierkampf"- Fächer, dessen Rückseite, öffnet man sie von rechts nach links, explizite Darstellungen des Liebesspiels zeigt. Und ein zweiter, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, dessen gemaltes Blatt harmlos genug erscheint, im Zusammenhand mit den Elfenbeinstäben auch anders gedeutet werden kann: Diese zeigen eine geschnitzte "Menage à trois". Da in beiden Fällen eher aussergewöhnliche, erotische Szenen dargestellt sind, könnten die Fächer speziell zu diesem Zweck hergestellt worden sein: im ersteren Fall vielleicht für Bordell-Gäste, im zweiten Fall für eine der beteiligten Damen.
Gelegentlich finden sich mehr oder weniger direkte Anspielungen (siehe Christl Kammerls "Der Lotterieverkäufer - Die Ziehung ist heute", S. 160) oder auch die Frage- und Antwortspiele auf Fächern, die teilweise in das Gebiet der Erotik fallen.
Fächer mit Motiven, die einem Watteau oder Fragonard abgeschaut sind, scheinen heutzutage recht harmlos, sind aber doch mitunter "pikant". Ein Beispiel ist der "Unfall" von der Wippe, wo eine Dame mit gegrätschten Beinen herabfällt – und so dem schockierten (?) Zuseher tiefe Einblicke gewährt (siehe Abb. 25). Bedenkt man, dass im 18. Jahrhundert ausser Mieder und Unterröcken keine Unterwäsche getragen wurde, erhöht sich der Reiz (ganz ähnlich wie auf Fragonard's berühmter "Schaukel"; siehe Abb. 26). Einen ähnlichen Effekt hat der Fächer "Sturm in Marly" des 17. Jahrhunderts ("Autant en porte le vent", Musée des Art Decoratifs Bordeaux), der als rechteckiges Gemälde aufkaschiert wurde: Ein Sturm wütet in den Gärten des Schlosses von Marly, eine elegante Frau fällt, verliert Hut und Fächer und – höchster Skandal – zeigt nackte Waden und Unterröcke!

Während sich die ganze zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts mit "gallanten" Szenen befasst, gehen diese selten über die Darstellung von Schäferspielen oder idyllisch-einsamen Plätzen in trauter Zweisamkeit hinaus. Akte sind ausschliesslich mythologischen Szenen vorbehalten. Dies ändert sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als durch die Weltausstellungen der Reiz der Exotik und der Fremde geschürt wird. Bald erscheint Exotik als Synonym für Erotik. Davon profitieren die Künstler des Jugenstils und des Art Deco (siehe Fächer von Barbier). Dass sich damit auch Geld verdienen lässt, zeigen die Werbefächer des Beginns des 20. Jahrhunderts: Sie kokettieren mit der Schönheit (siehe Abb. 27) oder stellen reizvolle – weibliche – Personen oder pikante Szenen in den Mittelpunkt der Werbecampagne (siehe Abb. 28).

8. Der Fächer als Liebesgabe
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, aber vor allem im 19. Jahrhundert, kam der Fächer als würdiges Brautgeschenk in Mode. Berühmte Fächer als Gaben an aristokratische Bräute sind unter anderem im Fächer-Museum Greenwich (Stephanie von Belgien's Fächer anlässlich ihrer Hochzeit mit Kronprinz Rudolf von Österreich 1881, mit über 1500 Rosendiamanten) oder im Fächerkabinett Bielefeld (Hochzeitsfächer Philippe d'Orléans 1897) zu sehen. Einfachere Fächer wurden an Brautjungfern oder Hofdamen in sog. "corbeilles de marriage" ("Hochzeits-Körbchen") verschenkt, die oft mit Liebessymbolen dekoriert waren, manchmal auch mit den Portraits der Braut und des Bräutigams.
Die berühmtesten Fächer an eine Frau sind jene Oskar Kokoschkas an Alma Mahler (1912-1914; im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg), die eine eigene, komplexe Symbolik aufzeigen.


Abb. 29 Einfacher, selbstbemalter Holzfächer nach einer Zeichnunge von H. Christiansen, Österreich, um 1900

 

 

Abb.24 Verehrung der Geliebten, Hochzeitsfächer, ca. 1850

 

 

Abb.26 Pastiche im Stile Fragonards von P. Avril (in O. Uzanne, L'éventail)

 

 




Abb.28 Werbefächer für "Le rat mort", ca. 1907

     

 

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