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Abb. 5
Urteil des Paris, von Lauronce in antikisierende Kostüme Anfang
des 19. Jhdts. gesetzt, Lithographie auf Satin, ca. 1890

Abb. 7
Selene/Artemis verliebt sich in den schlafenden Endymion, um 1800
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Eros
et Amor: Liebes-Symbolik auf Fächern (2)
Mythologische
Szenen (Forts.)
Die
Entführung Europas: Wieder entspricht Zeus seiner Rolle
als listiger Verführer, diesmal in Gestalt eines zahmen, weissen
Stieres, der Europa auf seinen Rücken nach Kreta entführt
(wo sie ihm 3 Kinder gebiert). Auch für diese Szene gibt es eine
christlich-moralisierende Interpretation: Die Menschenseele wird aus
der Sphäre der irdischen Leidenschaften durch Christus (in Gestalt
des Stieres) dem Göttlichen zugeführt. (S. 103. ibid.)
Venus (Aphrodite) und Mars (Ares): Diesmal ist Venus,
die mit Hephaistos (Vulkan) verheiratet ist, die Ehebrecherin. Eros
(Amor) hat einen seiner berüchtigten Pfeile auf Mars geschossen,
dieser verliebt sich in Venus, und sie gibt nach, wird allerdings von
Apollo verraten. Die Szenen stellen Venus in Erwartung Mars dar (als
liegender Akt), oder aber in Liebesumarmung mit Mars, wobei sich Hephaistos
mit dem Netz, das sie fangen soll, nähert. Eros/Amor ist meist
dabei, er versteckt sich schuldbewusst, fliegt zufrieden weg oder beobachtet
neugierig die Szene.
Apoll und Daphne: Apoll verärgert Eros (Amor),
worauf dieser sich rächt und einen goldenen Pfeil auf ihn schiesst,
sodas er in Liebe erglüht, gleichzeitig aber einen seiner bleiernen
Pfeile auf die Nymphe Daphne zielt, wodurch sie Apolls Liebe nicht erwidert.
Als Apoll sie mit Gewalt nehmen will, zieht die keusche Nymphe eine
Verwandlung in einen Lorbeerbaum vor. Seitdem ist der Lorbeer Apollos
heilige Pflanze, oft wird er auch mit einem Lorbeerkranz abgebildet.
Das Urteil des Paris: Paris kommt die undankbare Aufgabe
zu, den goldenen Zankapfel der schönsten der drei Göttinen
zu überreichen: Hera (Juno) verspricht ihm die Herrschaft über
Asien, Athene (Minerva) Weisheit und Sieg im Krieg, und Aphrodite (Venus)
schliesslich die Liebe der schönsten Frau der Welt, Helena. Paris
entscheidet sich für Letzteres. Die Szene zeigt die meist nackten
Göttinen mit ihren Symbolen: "Göttermutter" Hera
mit Diadem oder Zepter, den ihr heilige Pfau zu ihren Füssen; die
keusche Athene mit Helm, Speer und Schild, die Eule als Symbol der Weisheit;
und Aphrodite, die Liebesgöttin, meist nackt, mit zwei Tauben als
Symbol, oft auch in Begleitung von Eros, der manchmal als ihr Sohn (mit
Ares) gilt (siehe Abb. 5).
Die drei Grazien: Sie sind als drei junge, nackte Frauen
dargestellt und verkörpern Anmut und Schönheit, oft im Gefolge
von Apoll (als Gott der Musik) oder Aphrodite (als Göttin der Liebe).
Sie werden auch als Verkörperungen der castitas, pulchritudo, et
amor (Keuschheit, Schönheit und Liebe) interpretiert (siehe Abb.6).
Selene und Endymion: Eine weniger bekannte mythologische
Sage, die jedoch relativ häufig auf Fächern abgebildet ist.
Selene/Luna (deren Person sich später mit Artemis/Diana vereinigt)
verliebt sich in den schlafenden Hirten Endymion. Jede Nacht "besucht"
sie ihn ohne sein Wissen, und gebiert ihm unzählige Kinder, die
manchmal als Sterne gedeutet werden (siehe Abb.7).
Diese Beispiele
zeigen die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten mythologischer
Szenen, die wohl unter "hony soit qui mal y pense" fallen.
Diese Doppeldeutigkeiten haben vermutlich zu ihrer langanhaltenden Beliebtheit
beigetragen.
3.
Liebesgötter:
Eros, Amor, Putten: Der griechische Liebesgott Eros
(römisch Amor oder Cupido) wird meistens als geflügelter Knabe
mit Pfeil und Bogen, bzw. Köcher dargestellt (bereits auf den pompeianischen
Wandfresken ist er zu finden). Seine Präsenz auf Bildern verweist
auf den Liebes- oder auch erotischen Charakter der Darstellung. Aus
dem Chaos geboren, wird er auch manchmal als Sohn der Venus und des
Mars genannt. Er ist oft im Gefolge von Venus abgebildet. Als Jüngling
dargestellt, wie manchmal in der Antike, im 16. und wieder 19. Jahrhundert,
nähert er sich Venus mehr als Liebhaber denn als Sohn. Eros erweckt
(irdische) Liebe in Göttern und Menschen und schiesst oft seine
Pfeile wahllos ab (manchmal mit verbundenen Augen) – die Liebe kann
jeden treffen. Ab der Frührenaissance waren auch Kinderengel mit
Flügel dargestellt und als "Putten" (ital. Putti) bezeichnet.
Amor/Eros als frecher Knabe wird auch oft in der Mehrzahl dargestellt,
diese werden Amoretten (ital. Amorini), Cupidines oder
Eroten genannt. Sie tragen, als Unterscheidung zu Putten, Pfeil und
Bogen, manchmal einen Köcher, zumindest aber einen Köchergurt.
Der Pfeil ist seit Alters her ein Symbol der Virilität
und des männlichen Prinzips. Der Köcher hingegen
ist das Gegenstück, und verkörpert das weibliche Prinzip.
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Abb.6 Die
drei Grazien,
Hochzeitsfächer, um 1860

Abb. 8
Geschnitzter Amor mit Pfeil und Bogen, Holzbriséfächer,
ev. asiatischer Herkunft. |