Abb.1
Indischer Pfauenfederfächer, modern nach altem Vorbild
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Abb.3
Elizabeth I. mit kleinem weissen Stiel-federfächer, Detail einer Rötelzeichnung von Zuccaro 1574 (siehe Website, wo viele Porträts mit Fächer zu bewundern sind)

 

Abb.5
"Damen zu Pferde" nach M. Merian 1616, aus G. Buss, Der Fächer, Biblio Nr. 54

FEDER-FÄCHER

Zur Geschichte des Feder-Fächers

Federn gehören, neben Palm- und anderen grossen Blättern, zum ältestem Material, das zum Fächeln verwendet wird und aus dem Fächer gefertigt werden. Die grossen Federn des Strausses, aber auch ganze Vogelschwingen sind sozusagen "natürliche" Fächer. Die Verwendung von Federn für Fächer geht parallel mit der Entwicklung des Fächers im allgemeinen einher.
"Der Sohn des Himmerls (= Kaiser) verwendet im Sommer Federfächer" (Chin. Quelle, zitiert in "Fans from the East", Biblio Nr. 76). Länder wie China oder Indien, aber auch Ägypten produzierten Feder-Fächer schon im 2. Jahrtausend v.Chr. (wie man aus schriftlichen Quellen weiss). Einer der ältesten Funde ist das goldene Fächergestell aus dem Grab Tut-ench-Amuns. Das Halbrund auf einem Stiel hatte nach oben hin Öffnungen, in die Straussenfedern gesteckt wurden. Prunkvolle Federfächer wurden zum Statussymbol für Herrscher in vielen Ländern. Sie hatten meist grosse Ausmasse und wurden von Sklaven gehandhabt (siehe auch "Der Pfau in der Geschichte des Fächers", auch über (Pfauen)Federfächer in der Antike und in der christlichen Liturgie).

Kleine Handfederfächer wurden durch Bündelung kleiner Federn erzielt, die zum Feueranfachen und Verjagen von Insekten verwendet wurden, aber auch, um Salz vom Meerwasser zu "ernten". Diese mussten in etwa das Aussehen eines Staubwedels gehabt haben (der im übrigen auch ein "Derivat" des Fächers ist, wovon noch alt-deutsche Bezeichnungen wie Muckenwedel = Fliegenwedel oder alt-österreichisch "Waderl" für Fächer zeugen).
Traditionelle kleine Pfauenfederfächer in Indien werden auch heute noch nach altem Muster, in Form einer Scheibe mit Griff, angefertigt (Abb. 1).

In Mexiko wurden die Federn des Quetzal-Vogels für prunkvolle Gewänder und auch Fächer der Azteken-Herrscher verwendet. Das einzig bekannte Exemplar eines Fächers befindet sich im Völkerkunde-Museum in Wien. Er ist mit Anfang des 16. Jahrhunderts zu datieren, aufgrund der Schmetterlingsdarstellung in der Fächermitte, die eindeutig von Europa beeinflusst ist (Abb.2).

Erste Periode des Federfächers in Europa: Renaissance - Barock

In Europa erwähnen griechische und römische Schriftsteller Federfächer, die nach Abbildungen auf Vasen vermutlich Pfauenfederfächer waren. Die Blütezeit der Federfächer in Europa kam in der Renaissance-Zeit. Von etwa Anfang des 15. Jahrhunderts bis Ende des 17. Jahrhunderts waren Federfächer, als Stielfächer mit Federbukett (siehe Abb.5) oder mit 2-3 Straussenfedern (siehe Abb. 4) in Mode. Elizabeth I. von England (1533-1603) hatte eine Vorliebe für Fächer, die sie als "einziges, einer Königin würdiges Geschenk" ansah. Da spielte vermutlich auch Eitelkeit mit, da die Königin sehr schöne Hände hatte und ein in der Hand gehaltener Fächer die Aufmerksamkeit auf diese lenkte (siehe Abb. 3).

Italien war zur Renaissance-Zeit tonangebend in Sachen Mode, so auch was Fächer betrifft. In Venedig war der Federfächer den verheirateten Frauen vorbehalten, während junge Mädchen und Bräute (aber auch Kurtisanen) den Fahnenfächer verwendeten (siehe dazu Tizian's berühmtes Porträt seiner Tochter Lavinia, "Dame in Weiss", Dresdener Gemäldegalerie). Italien verstand es auch, Straussenfedern in allen Modetönen einzufärben (eine Tradition, die danach erst wieder Ende des 19. Jhdt.s in Mode kam). Um Ausgaben für Luxusartikel einzudämmen, sah sich der Venezianische Senat im Mai 1512 gezwungen, per Dekret die Verwendung von Federfächern zu verbieten (S. 19, Biblio Nr. 21).

Diese Fächer sind leider nur mehr aus Abbildungen zeitgenössischer Maler und Stecher bekannt, kein Exemplar ist erhalten.

Als Katharina von Medici (1519-1589) im Jahre 1533 den französischen König Heinrich II. heiratete, brachte sie mit ihrem Hofstaat alle modischen Neuerungen Italiens nach Frankreich, darunter auch ihre Fächer. Ihr folgte 1600 Maria von Medici als sie Heinrich IV. von Frankreich heitratete. Ihre modischen Extravaganzen fielen auf fruchtbaren Boden, und bald lief Frankreich in Sachen Mode Italien den Rang ab. Federfächer wurden nun langsam von den Faltfächern, die im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts immer grössere Verbreitung fanden, verdrängt. Einzig erhaltene Darstellung eines Falt-Federfächers, der die Straussenfederfächer des 19. Jahrhunderts vorwegnimmt, stammt aus dem Jahre 1680 (Abb.6). In der "Goldenen Zeit" des Fächers, dem 18. Jahrhundert, findet man überhaupt keine Federfächer mehr.



WEITER

 

Abb.2
Aztekischer Fächer, Anf. 16. Jhdt.,© Völkerkunde-Museum Wien

 

Abb.4
Detail aus dem Porträt der Maria de Tassis von A. van Dyck, ca. 1629/30,
© Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz



Abb.6
Portrait einer Dame mit Fächer von Carlo Ceresa, ca. 1680, aus I ventagli della Raccolta Sottocasa, Biblio Nr.69; dieses ist die einzige Abbildung eines Falt-Federfächers aus dieser ersten Periode. Sie nimmt die Straussenfederfächer der 2. Periode vorweg.

     

©mm ausser Zitaten und anderen Quellenangaben